Konferenz 2013

Symposium »Generationen, Netzwerke, Denkstrukturen: Schulen und Denktraditionen in der Musikwissenschaft«

Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung vom 17. bis 21. September 2013 an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden

Moderation: Anna Langenbruch (Oldenburg)

11.00   Sebastian Bolz (München), Moritz Kelber (Augsburg): Schulen und Denktraditionen – ein Thema für die Musikwissenschaft

11.20   Manfred Hermann Schmid (Tübingen): Wien und die Folgen für die deutsche Musikwissenschaft

11.40   Jörg Rothkamm (Tübingen/Mannheim): Neuanfang trotz Kontinuitäten: Die Hamburger Musikwissenschaft unter Heinrich Husmann

12.00   Michael Custodis (Münster): Repräsentaten eines Kieler Netzwerks? Die Blume-Schüler Abert, Steinecke und Therstappen

12.20   Melanie Unseld (Oldenburg): Notwendig oder unzeitgemäß? Denkkollektive in der Musikwissenschaft

12.40   Diskussion: Bolz, Custodis, Kelber, Rothkamm, Schmid, Unseld

Für jede junge Generation von Geisteswissenschaftlern bildet die Orientierung im historischen Selbstbewusstsein ihres Faches einen grundlegenden Schritt. Die kritische Auseinandersetzung mit methodischen Grundausrichtungen der Disziplin gehört dazu ebenso wie die Reflexion persönlicher und institutioneller Netzwerke, die als wissenschaftliche Schulen Denk- und Redeweisen prägen. Allerdings bleiben diese Schulen trotz ihrer kaum bestreitbaren Existenz in Fachdiskursen häufig unausgesprochen, und nur wenige Disziplinen haben Versuche unternommen, explizit nach derlei „weichen“ Faktoren ihrer Wissenschaftskultur zu fragen. In der Musikwissenschaft sind jene Schulen noch kaum zum Gegenstand fachgeschichtlicher Betrachtungen gemacht worden, obgleich in Äußerungen von Wissenschaftlern immer wieder persönliche Erfahrungen mit dem Phänomen erkennen lassen. Ein Symposium der Fachgruppe „Nachwuchsperspektiven“ auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung (Dresden, 17.-21.09.2013) will diesen Zusammenhängen nachspüren und dabei nach der Wirkmächtigkeit von schulischen Denktraditionen in historischen Fachdebatten, vor allem aber in der heutigen Wissenschaftslandschaft fragen.

Inhaltliche Anknüpfungspunkte für das Symposium stellen musikwissenschafltiche Tagungen zur „Konstruktivität von Musikgeschichtsschreibung“ (Göttingen, 2011) und zum Komplex „Musikwissenschaft – Nachkriegskultur –Vergangenheitspolitik“ (Mannheim, 2012), aber auch Ansätze und Publikationen anderer Disziplinen dar. Die Fachgruppe strebt eine intensivere Beteiligung an Debatten von Wissenschaftsgeschichte und Hochschulsoziologie an, die ihrerseits in der Frage der Schulen durch die Musikwissenschaft wichtige Impulse erhalten können.

Systematische Betrachtungen und Fallstudien sollen gleichberechtigt diskutiert werden.  Die folgenden Frage stellungen können dabei leitend sein: Welche Schulen oder schulähnlichen Traditionen gibt es in der (deutschsprachigen) Musikwissenschaft? Wie haben sie sich formiert, wie bewusst werden sie heute behandelt, wie bedeutsam sind sie? Was konstituiert eine Schule? Welche Rolle spielen Persönlichkeiten? Wie hängen Schulen und Forschungsgegenstände zusammen? Welche Entwicklungen, Verschiebungen oder Aktualisierungen gibt es? Ist Schulbildung ein aktiver, ein passiver, ein historiographisch konstruierter Prozess? Wie ist die Rolle der deutschen (auch der deutsch-deutschen) Vergangenheit zu bewerten? Lassen sich (personen- oder ortsbezogene) Denkschulen von methodisch-theoretischen Strömungen bzw. von Subdisziplinen abgrenzen? Gibt es international vergleichbare Phänomene in der Musikwissenschaft? Wie wird die deutsche Musikwissenschaft international im Hinblick auf Schulbildungen wahrgenommen? Wirken Schulen auf Curricula durch? Wie verhalten sich Traditionslinien zum neuen Studiensystem? Sind Schulen heute institutionell bedeutsam, wirken sie etwa auf Personalentscheidungen durch? In welcher Weise kann die Reflexion/Explikation von Denktraditionen und der eigenen wissenschaftlichen Sozialisierung die Diskussionskultur in der Disziplin befruchten, nicht zuletzt aus der Perspektive einer Nachwuchsgeneration?

Aus Ergebnissen und deutlich gewordenen Forschungsdesideraten der Veranstaltung ist eine neue Tagung hervorgegangen, die sich ausführlich mit »Generationen, Netzwerken und Denkstrukturen« der Musikwissenschaft befasst.

Einige Impressionen von der Veranstaltung gibt es in der Bildergalerie: