Konferenz 2016

Wissenschaftlicher Nachwuchs ohne Nachwuchs?
Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie

Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung vom 14. September bis 17. Oktober 2016 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Donnerstag, 15. September 2016, 11.00–12.30 Uhr

Planung und Konzeption: Maria Behrendt (Weimar), Sebastian Bolz (München), Kathrin Kirsch (Kiel), Ruth Seehaber (Halle/Saale), Daniel Siebert (Berlin)

11.00 – 11.05     Einführung

11.05 – 11.25      Wissenschaft und Familie: neue Chancen und neue Herausforderungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs
Ramona Schürmann & Thorben Sembritzki (Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Hannover)

11.25 – 11.45      Rechtliche Rahmenbedingungen für familienfreundliche Karrierewege
Juliane Lorenz (Deutscher Hochschulverband)

11.45 – 12.30     Diskussion

Im Anschluss an die allgemeine Diskussion besteht die Möglichkeit zu Einzelgesprächen mit den Referentinnen.

Aktuelle Debatten in Hochschulpolitik, Fachverbänden und Feuilleton zeigen, dass sich Strukturen und Bedingungen wissenschaftlichen Arbeitens in den letzten Jahrzehnten geändert haben und dass auf verschiedenen Ebenen Diskussions- und Handlungsbedarf besteht: Die Anpassung  der Geistes­wissenschaften an wirtschaftliche Logiken stellt die Messbarkeit insbesondere von Drittmitteln und Veröffentlichungszahlen in zunehmendem Maße vor den Anspruch einer wirklich freien Forschung; der Anteil an langfristig Beschäftigten im akademischen Mittelbau geht auch aus diesem Grund zurück, bei steigender Zahl an Doktoranden und Postdoktoranden insgesamt; gleichzeitig wollen und müssen Männer und Frauen gleichberechtigt forschen und Zeiten für Pflege und Familie einplanen. Es besteht weithin Konsens darüber, dass sich Universitäten, Hochschulen und freie Forschungs­einrichtungen auch in den Geisteswissenschaften für die Förderung des wissen­schaftlichen Nachwuchses und die Förderung einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen müssen, wenn sie zukünftig die qualifizierten KandidatInnen binden wollen. Die Hochschul­rektoren­konferenz hat daher die Universitäten zur Entwicklung von Lösungsansätzen aufgefordert, viele Hochschulen legen Frauen- und Nachwuchsfördermaßnahmen auf, Gewerkschaften betreiben Lobbyarbeit. Die konkreten Ansatzpunkte und Instrumente zur Erreichung dieser Ziele sind dabei jedoch ebenso strittig wie die Frage nach Zuständigkeiten und Handlungs- und Entscheidungsträgern in diesem Prozess.

In den mit diesem Themenfeld eng verbundenen Bereichen möchte die von der Fachgruppe Nachwuchsperspektiven geplante Veranstaltung informieren, zur Diskussion anregen und Impulse für die Weiterentwicklung der Nachwuchsförderung und Familiengerechtigkeit an Hochschulen sammeln. Ziel der Veranstaltung ist es somit, Aufgaben auf den verschiedenen Ebenen nachwuchsrelevanter Fragen in der Hochschulpolitik zu benennen: Welche Weichen kann und muss die Politik stellen, was können die Hochschulen leisten, welche Möglichkeiten haben Wissen­schaftlerinnen und Wissenschaftler, ihre Interessen zu vertreten?

Abstracts

Wissenschaft und Familie: neue Chancen und neue Herausforderungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs
Ramona Schürmann & Thorben Sembritzki (Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Hannover)

Partnerschaft und Familie(nplanung) stellen den wiss. Nachwuchs vor große Herausforderungen für eine gelingende Vereinbarkeit im akad. Wissenschaftssystem. Gleichzeitig sieht sich das Wissenschaftssystem mit den Herausforderungen konfrontiert, den Ansprüchen der Individuen gerecht zu werden und die wiss. Laufbahn von Frauen wie Männern zu befördern (Metz-Göckel et al. 2014).

Frauen wollen Karriere machen (vgl. Abele 2003, 2013) und dabei nicht auf Kinder verzichten. Es entsteht ein Spannungsgefüge, das immer noch weitgehend Frauen aushalten müssen (Beck-Gernsheim 1983). Neu ist aber, dass auch Männer zunehmend ihre wissenschaftliche Tätigkeit mit Familie und Kind(ern) vereinbaren wollen (Behnke 2012; Baisch/Neumann 2008). Das Ineinandergreifen der verschiedenen Lebensbereiche (Qualifizierung, Karriere, Kinder, Partnerschaft) erzeugt somit für Frauen, aber auch für Männer vielseitige sowie unterschiedliche Widersprüche und Herausforderungen.

Theoretisch lehnt sich die Fragestellung an die Wert-Erwartungstheorie und die berufliche Selbstsozialisation an. Der Beitrag nimmt sowohl die angebotenen Handlungsspielräume seitens der Institutionen wie z. B. Vereinbarkeitsangebote als auch den Einfluss, den die Entdeckung und Nutzung dieser Räume auf die wiss. Laufbahn haben, in den Blick. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie Aushandlungsprozesse in den verschiedenen Paarkonstellationen auf die berufliche Karriere bzw. auf den Verbleib innerhalb der akademischen Wissenschaft.

Die Datenbasis beruht auf einer quantitativen, repräsentativen Befragung (WiNbus-Panel) und einer qualitativen Interviewstudie. Befragt wurden Wissenschaftler(innen) in verschiedenen Berufs- und Paarkonstellationen mit und ohne Kinder. Vorgestellt werden erste Ergebnisse der Studie „Konfliktfeld Wissenschaft und Familie“.

Downloads

Die Präsentation zum Vortrag von Thorben Sembritzki können Sie hier herunterladen.

Literatur

Abele, A. E. (2003). Geschlecht, Geschlechtsbezogenes Selbstkonzept und Berufserfolg. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 34 (3). 161-172
Abele, A. E. (2013). Berufserfolg von Frauen und Männern im Vergleich. Warum entwickelt sich die „Schere“ immer noch auseinander? Gender, 3: 41-59
Baisch, V., Neumann, B. (2008). Das Väter-Buch: Vaterschaft und Beruf unter einen Hut bringen. Droemer Knaur
Beck-Gernsheim, E. (1983). Vom „Dasein für andere“ zum Anspruch auf ein Stück „eigenes Leben“: Individualisierungsprozesse im weiblichen Lebenszusammenhang. Soziale Welt, 34 (3), 307-340
Behnke, Cornelia (2012): Partnerschaftliche Arrangements und väterliche Praxis in Ost- und Westdeutschland. Paare erzählen, Opladen: Budrich
Metz-Göckel, S., Heusgen, K., Möller, C., Schürmann, R., & Selent, P. (2014). Karrierefaktor Kind. Zur generativen Diskriminierung im Hochschulsystem. Verlag Barbara Budrich

 

Rechtliche Rahmenbedingungen für familienfreundliche Karrierewege
Juliane Lorenz (Deutscher Hochschulverband)

Der Vortrag soll einen kurzen Überblick über das Wissenschaftszeitvertragsgesetz sowie die hier erfolgten Neuregelungen geben. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Fragen der familienfreundlichen Ausgestaltung von Arbeitsverträgen. Darüber hinaus werden jedoch auch andere Aspekte und Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Vereinbarkeit von Studium, Promotion bzw. sonstiger Qualifizierung / Beruf und Familie gelingen kann. Ein Fokus liegt dabei auch auf den rechtlichen Rahmenbedingungen etwa von Elternzeit und Mutterschutz.

Downloads

Die Präsentation zum Vortrag von Juliane Lorenz können Sie hier herunterladen.