Konferenz 2017

Musikwissen(schaft) und Öffentlichkeit: das Radio als Sprachrohr?

Round Table im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung in Kassel am 27. September 2017 um 17.00 Uhr

Organisation: Moritz Kelber, Ina Knoth und Sean Prieske für die Fachgruppe Nachwuchsperspektiven

Hier der Link zum Videomitschnitt der Veranstaltung.

„Es ist an der Zeit, Transfer als gleichwertige Kernaufgabe wissenschaftlicher Einrichtungen ernst zu nehmen und als wissenschaftliche Leistung anzuerkennen.“[1] Mit diesen eindringlichen Worten verwies der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Manfred Prenzel, in einer Presseerklärung im Oktober 2016 auf ein Missverhältnis zwischen akademischer Wissensproduktion und ihrer Sichtbarkeit in der breiten Öffentlichkeit. Anerkennung werde im Wissenschaftssystem „nach wie vor primär durch Forschungsleistungen“ und eben nicht durch Vermittlungsleistungen erworben. Auch (und womöglich insbesondere) in der Musikwissenschaft ist die Frage nach Art und Umfang der Vermittlung der Forschungsleistungen gegenüber der Gesellschaft – schon aufgrund des enormen öffentlichen Interesses am Gegenstand Musik – einschlägig: An wen richtet sich Musikwissenschaft – und wie?

Vor diesem Hintergrund fokussiert der Roundtable der Fachgruppe Nachwuchsperspektiven mediale Vermittlungsformen zwischen Musikwissenschaft und Öffentlichkeit mit einem besonderen Blick auf das Radio. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk sowie privates Radio waren und sind nicht nur zentrale Institutionen für die Präsentation klingender Musik, sondern in unterschiedlichen Sendeformaten auch Vermittler verschiedener Formen des Wissens über Musik. Nicht selten sind MusikwissenschaftlerInnen mittel- oder unmittelbar an der Gestaltung von Radioformaten beteiligt, die einer breiten Öffentlichkeit Forschungsergebnisse präsentieren. Im Rahmen des geplanten Roundtables soll gemeinsam mit VertreterInnen aus Musikwissenschaft und Rundfunk erörtert werden, in welcher Form das Radio zur Verbreitung musikwissenschaftlicher Ergebnisse beiträgt und welche Anpassungen des Musikwissens für diese Art der Vermittlung notwendig sind. Wie ist das Verhältnis von akademischen zu nicht-akademischen Wissensformen im Radio? Auf welche musikwissenschaftlichen Textsorten greifen JournalistInnen und MusikwissenschaftlerInnen zurück, wenn sie eine Rundfunksendung gestalten? Wie verändert die Umwandlung eines akademischen in einen journalistischen Text das Wissen selbst? Wie verändert sich das Radio (Stichwort: Digitalisierung) und wie kann und muss Musikwissenschaft darauf reagieren? Und: Welche Rolle spielt nicht-akademisches Musikwissen innerhalb der Disziplin?

In fünfminütigen Kurzvorträgen stellen fünf ReferentInnen aus Musikwissenschaft und Rundfunk zu diesen und weiteren Fragen Kernthesen vor, die anschließend mit TeilnehmerInnen und Publikum diskutiert werden sollen. Ziel der Veranstaltung ist die Diskussion verschiedener Präsentationsformen von Musikwissen inner- und außerhalb des klassischen akademischen Betriebs sowie eine vertiefte Auseinandersetzung mit verschiedenen Öffentlichkeiten bzw. Adressatenkreisen der Musikwissenschaft.

[1] Pressemitteilung vom 24. Oktober 2016, http://www.wissenschaftsrat.de/presse/pressemitteilungen/2016/nummer_29_vom_24_oktober_2016.html, aufgerufen am 18.11.2016.

Die Veranstaltung wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung des Vereins der Freunde der Musikwissenschaft München e. V. und des Forum Musikwissenschaft an der Universität Hamburg e. V.

Programm

Einführung (Moritz Kelber und Ina Knoth)

Silke Leopold (Prof. i. R., Uni Heidelberg): „Was Musikwissenschaft und Radio voneinander lernen können“

Johannes Theurer (RBB, Berlin): „Radio und World Music“

Magdalene Melchers (freie Kulturjournalistin, Wiefelstede): „Zum Spannungsverhältnis von musikalischen Nebenschauplätzen und deren Vermarktung“

Podiums- und evtl. Plenumsdiskussion, ca. 15 Minuten

Frank Kämpfer (Deutschlandfunk, Köln): „Für eine Horizonterweiterung in Radio und Musik/Wissen(schaft)“

Michael Schmidt (BR, München): „Musikvermittlung im Radio und Internet“

Podiums- und Plenumsdiskussion, ca. 30 Minuten